Forderungen entschärfen mit der „Bedürfnisbrille“

Vorstellungsgespräche neu Gedacht
24. Februar 2021

„Ich will….!“ – So beginnen viele Forderungen.

Eine Forderung abzulehnen gehört zum normalen Führungsalltag.

Die Art und Weise, wie du eine Forderung ablehnst ist hingegen entscheidend und richtungsweisend für dein Team, das Miteinander und die Kommunikation untereinander.

Eine Forderung ist erst einmal harmlos. Sie kann jedoch schnell etwas viel größeres auslösen, nämlich dann, wenn die Ablehnung einer Forderung zu Frust und Unmut im Team führt. Auf einmal wird hinter dem eigenen Rücken geredet… In gemeinsamen Sitzungen kommen nur noch selten kreative Vorschläge… Du bekommst vielleicht den Eindruck, dass dein Team gehemmt ist und mit angezogener Handbremse fährt. Dies kann viele Gründe haben.

Einen Grund für Frust und Unmut im Team

Wenn wir auf eine Forderung z.B. so reagieren: „Das kommt gar nicht in Frage.“ dann kommunizieren wir ausschließlich Ablehnung. Ablehnung in der Sache. Doch viele Menschen erleben diese Ablehnung nicht nur auf der sachlichen Ebene, sondern nehmen diese persönlich.

Und das liegt daran, dass diese Menschen in ihrem Bedürfnis nicht gesehen wurden, keine Zuwendung sondern lediglich eine Ablehnung erfahren. Es ist also hilfreich, hinter einer Forderung das treibende Bedürfnis herauszufinden.

Denn unerfüllte Bedürfnisse führen auf Dauer zu einer unangenehmen Stimmung und das wirkt sich meist auf das gesamte Team aus.

Es geht also im Kern darum, Forderungen als Strategien zu verstehen, die zur Erfüllung eines Bedürfnisses beitragen sollen.

Lehnen wir eine Forderung in der Sache ab und verbinden uns mit unserem Gegenüber auf der Bedürfnisebene, sind auf einmal wieder viele neue Möglichkeiten offen. Hin und wieder braucht es nur ein wenig Kreativität, um die wesentlichen Bedürfnisse in einer Lösung zu berücksichtigen. Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation sagte dazu sinngemäß: Es sind niemals die Bedürfnisse, die miteinander im Konflikt stehen. Es sind lediglich unsere gewählten Strategien, die das Bedürfnis anderer Personen noch nicht berücksichtigt haben. Das bedeutet auch, dass erst eine Klarheit auf der Bedürfnisebene, die Grundlage für tragfähige Lösungen darstellt.

Ein Beispieldialog

 Mitarbeiterin kommt ins Büro: Für das was ich hier alles leiste verlange ich mehr Geld!

Option 1 – Ablehnung: Auf gar keinen Fall.

oder

Option 2 – Bedürfnisbrille aufsetzen und genau hinhören, dann ablehnen, dann gemeinsame Lösung suchen:

Leitung: Wenn Sie sagen, dass Sie mehr Geld möchten, dann höre ich aus Ihrer Forderung heraus, dass Ihnen Anerkennung und Wertschätzung für Ihre Arbeit fehlt. Sehe ich das richtig?

Mitarbeiterin: Ja, absolut.

Leitung: Ich möchte Ihnen danke sagen, für all die Arbeit (möglichst konkret beschreiben), die sie tun. Leider kann ich Ihnen keine Gehaltserhöhung geben. Ich würde gerne von Ihnen wissen, wodurch sich Anerkennung und Wertschätzung in Ihrem Arbeitsalltag noch erfüllen könnten?

Mitarbeiterin: Naja…mal ein Danke von den Kolleg*innen für fertiggestellte Projekte wäre mal was.

Leitung: Danke. Ich nehme diesen Punkt für mich in die nächste Besprechung mit und wir thematisieren gemeinsam erfolgreiche Projekte und wertschätzen diese. Ich sehe da zudem einen großen Mehrwert für alle, da wir einander besser kennenlernen und uns dankbar zeigen können. Manchmal braucht es dafür einfach einen Raum. Danke, dass Sie das Gespräch mit mir gesucht haben und wir dadurch unsere Zusammenarbeit und Kommunikation im Team zukünftig verbessern können.

Wichtiger Fakt:

Allein der Versuch, ein Bedürfnis hinter einer Aussage zu hören, erfüllt die Bedürfnisse „gehört werden“ und „gesehen werden“

Probiere es aus!

Eine Bedürfnisliste findest du hier:

Dein Hergen